Die Wertherbrucher Gerichtssiegel
Das "Wertherbrucher
Gemeindewappen", dass das der Ort seit 1953 bis zum 31. Dezember
1974 führte, verwenden noch heute viele Gruppierungen z. B. auf
Briefköpfen, Aufklebern und Uniformen. Die Beschreibung des Wappen
lautet wie folgt: "In silbernem Feld eine rote ummauerte Stadt
mit 3 blau gedeckten Türmen. In der Mitte steht ein blau gedecktes
Haus, aus dessen Dach eine rote, oben in einem Ring endende Stange
herauswächst. Auf dem linken Turm hängt über einem
Torbogen mit Fallgitter ein silberner Schild mit einem gekrönten
und doppeltgeschwänzten schwarzen Löwen". 1
Vorlage für dieses Motiv war das historische Gerichtssiegel
des Dorfes, das bislang erstmalig 1366 nachweisbar ist. 2
Dieser Siegelabdruck mit einem Durchmesser von etwa vier Zentimeter
ist an der ersten Urkunde, wie auch in einigen späteren Fällen,
erhalten geblieben. In dem Werk Rheinische Siegel III beschreibt Wilhelm
Ewald das Motiv mit folgenden Worten: "Burg mit drei Türmen."
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Seine Umschrift lautet: "SIGILLVM PALVDIS DE WERDE" (= Siegel
des Bruches von Werth). Es ist nicht bekannt, wann das Siegel entstanden
ist; etwa noch zur Zeit der Herren von der Lecke, möglicherweise
nachdem diese 1321 Gerichtsrechte für Wertherbruch bekamen? Die
Bedeutung des Siegelbildes ist noch unklar.
Völlig offen ist etwa die Bedeutung der Stange, die in einem
Ring endend auf dem Haus quasi herauswächst. Die Darstellung
dürfte nur symbolisch zu entschlüsseln sein. Insgesamt halte
ich es für am Wahrscheinlichsten, dass das ganze Siegel mit der
mächtigen Anlage nur bildhaft zu verstehen ist und sich nicht
auf eine konkrete Vorlage bezieht. Ein Bezug zur im benachbarten Burg
Werth ist nicht nachweisbar. Eine legendäres Kloster in Wertherbruch,
Stichwort "Mönchshof", hat in Wertherbruch nie gestanden
und scheidet als Grundlage für das Siegel aus.
Die moderne Version ist deutlich statischer, nicht so lebendig wie
die historische Vorlage. Die Zeichnung, die der Darstellung auf unserer
Homepage zugrundeliegt, wurde nach Fotos von historischen Siegelabdrücken
gefertigt. Die Farbwahl ist willkürlich und stützt sich
zum Teil auf die Farbgebung des Gemeindewappens.
Nachdem der Reichsgraf Alexander Hermann von Wartensleben zu Beginn
des 18. Jahrhunderts die Herrlichkeit Wertherbruch gekauft hatte,
hielt das Wappen der Familie von Wartensleben Einzug in das Gerichtssiegel.
Es zeigt einen schwarzen Doppeladler, darunter ein aus einem grünen
Busch über grünen Boden aufspringenden roten Wolf. Die Umschrift
lautet: "GERICHTSSIEGEL DER HERRLICHKEIT WERHTERBRUCH".
- Man beachte die Schreibweise des Ortsnamens. -
Dieses Foto stammt von dem Abbild des Siegels in der Wertherbrucher
Verbands-Sparkasse Wesel nach einem Siegelabdruck unter einer alten
Urkunde des Wertherbrucher Gerichts.
Weitere Informationen zum Gericht, zu den Siegeln usw. befinden sich
in dem Buch "Alte Herrlichkeit Wertherbruch"; Haldern, 1996
in dem Beitrag "Aus der Geschichte der Herrlichkeit Wertherbruch".
Eine geschlossene Darstellung der Wertherbruch Gerichtsgeschichte,
die auch die späteren Veränderungen des ursprünglichen
Siegels beinhalten sollte und das später entdeckte Material berücksichtigt,
steht noch aus.